Frohes naives 2026!

Es gibt Menschen, die trotz aller Schmerzen und aller Verzweiflung an ihrem Verständnis von Liebe und Verständigung festhalten. Gerade jetzt lohnt es sich, ihnen zuzuhören

Illustration erstellt mit ChatGPT

Den Jahreswechsel habe ich an einem Ort verbracht, wo auf einem Spiegel ein Aufkleber hing. Auf dem stand: Nicht tanzen ist auch keine Lösung. Ich hielt das für ein angemessenes Motto und habe mit Menschen, die ich liebe, bis morgens um halbsechs getanzt. Nicht, weil uns die Welt um uns herum egal gewesen wäre. Sondern, weil wir alle die Überzeugung teilen: Niemandem ist geholfen, wenn wir uns der Dunkelheit ergeben.

Dabei gäbe es genug Gründe, sich auf eine Bank zu setzen und darauf zu warten, dass der Spuk vorüber geht, in dem die Welt im Moment gefangen zu sein scheint. Doch da säße man dann eine Weile.

 

Vielen halten sich für Opfer – und sie haben recht

Der Epochenbruch hat so tiefe Ursachen wie tiefgreifende Konsequenzen. Er setzt Kräfte frei, die in der Gesellschaft genauso wirken wie in jedem einzelnen Bewusstsein. Sie werden nicht einfach so zur Ruhe kommen. Sondern so lange weiter wirken, bis die Veränderungen vollzogen sind, auf die so viele Menschen drängen.

So unterschiedlich die Motive sind: Was alle eint, ist das Gefühl, in einem Leben gefangen zu sein, das sich nicht frei entfalten kann. Die Zustimmung für Akteure, die sich und die Gruppen, die sie repräsentieren, zu exklusiven Opfern sozialer, ökologischer oder ökonomischer Fehlentwicklungen erklären, fällt deshalb so hoch aus, weil sich viele Menschen zurecht für Opfer halten. Die Mieten zum Beispiel explodieren so sehr, dass Wohnen für viele zu einer Tätigkeit geworden ist, die sie sich eigentlich nicht mehr leisten können. Das fühlt sich an, als könnte man sich das Leben an sich nicht mehr leisten. Welchen Sinn hat es dann, es auf diese Weise fortzuführen?

 

Deutschland steht nicht zum ersten Mal an diesem Punkt

Ich könnte viele weitere Beispiele anführen. Bildung, Gesundheit, Mobilität, Kinderbetreuung – auf vielen für die eigene Lebenszufriedenheit relevanten Feldern ist unsere gesellschaftliche Entwicklung an einem Punkt angekommen, als wende sich das Leben gegen sich selbst. Es muss sich etwas ändern. Egal was. Hauptsache, dieser quälende Gedanke verschwindet, sich auf eine Weise ungerecht behandelt zu fühlen, die die gesamte Existenz in Frage stellt.

Konsumorientierte Industriegesellschaften wie die deutsche stehen nicht zum ersten Mal an einem solchen Punkt. Vor hundert Jahren hatten die Nationalsozialisten auch deshalb so leichtes Spiel, weil sich Millionen von Menschen mit dem Gefühl eines blockierten Lebens herumschlugen. Aus dem Ersten Weltkrieg waren Männer zurückgekehrt, die sich jetzt nutzlos fühlten. Die Weltwirtschaftskrise hatte Massenarbeitslosigkeit zur Folge. Und gesellschaftliche Emanzipationsbewegungen führten zum Eindruck, dass sich in der Hauptstadt eine Minderheit amüsierte, während die Mehrheit im Land nicht nur um das nächste Abendessen rang, sondern auch um den Sinn ihrer Existenz.

Konsumorientierte Industriegesellschaften wie die deutsche stehen nicht zum ersten Mal an einem solchen Punkt. Vor hundert Jahren hatten die Nationalsozialisten auch deshalb so leichtes Spiel, weil sich Millionen von Menschen mit dem Gefühl eines blockierten Lebens herumschlugen. Aus dem Ersten Weltkrieg waren Männer zurückgekehrt, die sich jetzt nutzlos fühlten. Die Weltwirtschaftskrise hatte Massenarbeitslosigkeit zur Folge. Und gesellschaftliche Emanzipationsbewegungen führten zum Eindruck, dass sich in der Hauptstadt eine Minderheit amüsierte, während die Mehrheit im Land nicht nur um das nächste Abendessen rang, sondern auch um den Sinn ihrer Existenz.

 

Ein Leben wie ein Tiger im Zoo

Konsumorientierte Industriegesellschaften wie die deutsche stehen nicht zum ersten Mal an einem solchen Punkt. Vor hundert Jahren hatten die Nationalsozialisten auch deshalb so leichtes Spiel, weil sich Millionen von Menschen mit dem Gefühl eines blockierten Lebens herumschlugen. Aus dem Ersten Weltkrieg waren Männer zurückgekehrt, die sich jetzt nutzlos fühlten. Die Weltwirtschaftskrise hatte Massenarbeitslosigkeit zur Folge. Und gesellschaftliche Emanzipationsbewegungen führten zum Eindruck, dass sich in der Hauptstadt eine Minderheit amüsierte, während die Mehrheit im Land nicht nur um das nächste Abendessen rang, sondern auch um den Sinn ihrer Existenz.

Konsumorientierte Industriegesellschaften wie die deutsche stehen nicht zum ersten Mal an einem solchen Punkt. Vor hundert Jahren hatten die Nationalsozialisten auch deshalb so leichtes Spiel, weil sich Millionen von Menschen mit dem Gefühl eines blockierten Lebens herumschlugen. Aus dem Ersten Weltkrieg waren Männer zurückgekehrt, die sich jetzt nutzlos fühlten. Die Weltwirtschaftskrise hatte Massenarbeitslosigkeit zur Folge. Und gesellschaftliche Emanzipationsbewegungen führten zum Eindruck, dass sich in der Hauptstadt eine Minderheit amüsierte, während die Mehrheit im Land nicht nur um das nächste Abendessen rang, sondern auch um den Sinn ihrer Existenz.

 

Eine der größten Aufgaben im Leben: für sich selbst Verantwortung zu übernehmen

Es hat auch wenig Sinn, daran zu appellieren, dass der Kapitalismus jedem Menschen die Möglichkeit bietet, sich zu entfalten, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied und Freiheit das Ergebnis von Fleiß, Einsatzbereitschaft und Leidensfähigkeit sei.

Mir hat mal der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins gesagt: Natürlich hat man als Mieter Rechte, sich gegen übergriffige und illegal agierende Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften zur Wehr zu setzen. Das Problem ist, dass man eine bestimmte intellektuelle und emotionale Widerstandsfähigkeit braucht, um diese Rechte in Anspruch zu nehmen.

So ist es auch mit dem Leben insgesamt. Natürlich hat jeder Mensch die Möglichkeit, das Beste aus sich herauszuholen und sich gemäß seiner eigenen Potentiale zu entwickeln. Doch das setzt voraus, dass man vom Leben mit den materiellen und immateriellen Möglichkeiten beschenkt worden ist, diese Potentiale zu erkennen und die richtigen Menschen um sich zu haben, um etwas aus ihnen zu machen.

Wer erfolgreich und ehrlich zu sich selbst ist, weiß, dass das eigene Vorankommen das Resultat von Glück und Geschick ist. Und es gibt Menschen, die in ihrem Leben so viel Pech hatten, dass sie eine weite Strecke zurücklegen müssen, um überhaupt vom Glück gefunden werden zu können. Das ist nicht unmöglich. Doch auf diesem Weg gibt es sehr viele Verlockungen, andere zu den Schuldigen für das eigene Schicksal zu erklären. Eine der größten Aufgaben im Leben besteht darin, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen.

 

Frei­heit heißt, den Menschen zu finden, der man schon immer war

Freiheit folgt aus der Bereitschaft, sich selbst auf den Grund zu gehen, in sich Liebe und Zuversicht zu nähren und Mitgefühl und Verständnis zum Ausgangspunkt des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns zu machen. Und nicht daraus, den hohlen Versprechen auf den Leim zu gehen, Freiheit bedeute, von allem Belastenden, Unangenehmen und Schmerzhaften befreit zu werden.

Freiheit folgt aus der Bereitschaft, sich selbst auf den Grund zu gehen, in sich Liebe und Zuversicht zu nähren und Mitgefühl und Verständnis zum Ausgangspunkt des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns zu machen. Und nicht daraus, den hohlen Versprechen auf den Leim zu gehen, Freiheit bedeute, von allem Belastenden, Unangenehmen und Schmerzhaften befreit zu werden.

 

„Ich bin lieber naiv als zynisch“

Was wir in diesem Jahr mehr als in allen anderen der vergangenen Jahre brauchen, sind die Bereitschaft, andere verstehen zu wollen, sie zu ermuntern, nicht aufzugeben, und in aller Entschiedenheit an der Liebe und der Lust am Tanzen festzuhalten. Das heißt nicht, für alle und alles Verständnis aufzubringen. Aber ohne Empathie und den unbeirrbaren Glauben daran, dass es sich gegen jede Hoffnungslosigkeit lohnt, weiter zu hoffen, ist keine Bewegung möglich.

Kurz vor Weihnachten lief im Radio eine Reportage aus dem Nahen Osten. Darin kamen Menschen zu Wort, die sehr viel Schmerz erlebt haben. Der eine, ein Israeli, verlor seine Eltern am 7. Oktober. Der andere, ein Palästinenser, einen Bruder, der an den Folterfolgen in einem israelischen Gefängnis starb.

Am Ende sprach eine Frau, die vor 45 Jahren in das Dorf Newe Schalom gezogen ist, auf halber Strecke zwischen Jerusalem und Tel Aviv. Auf Arabisch heißt das Dorf Wahat al-Salām. Der Name bedeutet übersetzt „Oase des Friedens“. Eine Handvoll jüdischer Israelis und Menschen mit palästinensischem Hintergrund wollte dort beweisen, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Jetzt sind es knapp dreihundert. Und die Frau sagte: „Natürlich muss man naiv sein, um gegen den Strom zu schwimmen. Man muss naiv sein, um zu glauben, dass es möglich ist, eine Brücke zu schlagen. Um einen Weg zu ebnen, muss man sich etwas vorstellen, das noch nicht existiert. Vielleicht muss man dafür naiv sein. Aber ich bin lieber naiv als zynisch.“

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein friedliches, fröhliches, gesundes, erfolgreiches und vor allem naives 2026.

 

PS: Der Song zum gedanklichen Nachschunkeln ist diesmal „Pax” vom Tingvall Trio.

Dieser Text ist erschienen im Newsletter „Das Glück, der Schmerz und was das mit Politk zu tun hat”. Wer ihn abonnieren möchte: bitte hier entlang.